Die ersten Semester – ein Rückblick (II)

Inzwischen ist es ja schon fast angebracht, auch einen Rückblick des zweiten Semesters zu verfassen, daher kombiniere ich hier mal meine Gesamteindrücke des bisherigen Studiums. Wie man aus meiner Bloggingfrequenz erahnen kann, ist ein enormer Workload über uns hereingebrochen, der relativ wenig Zeit für anderes ließ. Inhaltlich blieb und bleibt es jedoch weiter spannend! Nachfolgend die Highlights der ersten beiden Semester:

Ingenieurwissenschaften für PsychologInnen. Ganz klar mein absolutes Highlight! Die Veranstaltung bestand aus mehreren Kursen: Einem Javakurs, Ingenieurwissenschaftlichen Grundlagen in Form von Vorlesung und Übung, sowie einem Roboterprojekt. Während unser Programmierkurs sich vor allem durch Stofffülle auszeichnete, waren die anderen beiden Modulbestandteile meine persönlichen Lieblingskurse. Im Ingenieurkurs haben wir uns durch Referate einen Überblick über verschiedene Thematiken aus – wie der Name erahnen lässt – den Ingenieurwissenschaften erarbeitet. Mein Thema waren Verbundwerkstoffe, andere befassten sich beispielsweise mit Mengen- und Kapazitätsplanung, Umformung, Motoren, Turbinen, Kraftmaschinen oder Thermodynamik. In den Übungen konnten wir den Wundern der Ingenieurwissenschaft dann praktisch auf den Grund gehen, zB durch die Entmystifizierung des Funktionsprinzips eines TukTuk-Bootes, Spaß mit Batterien und Magneten oder dem Gießen von Zinnfiguren als Beispiel für Umformung. Ausgiebig diskutiert wurde gleich zu Beginn auch die Herausforderung der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Psychologen und Ingenieuren – jetzt können wir uns ein eigenes Bild machen, ob Ingenieure irgendwie anders sind. 😉

Das Roboterprojekt war ebenfalls ein Highlight, wenn auch ein teilweise sehr nervenaufreibendes. Die Herausforderung bestand darin, mit einem selbst zusammengebauten Legoroboter einen vorher per Brainstorming ohne den Hauch einer Idee, was wir uns damit aufhalsen gewissenhaft zusammengestellten Parcours zu bewältigen. Wir hatten mehrere Monate Zeit, was ja auch erstmal viel klingt – wäre da nicht die glorreiche Idee gewesen, auf die mitgelieferte Lego Mindstormssoftwäre zu verzichten und, ganz im Sinne der neu erworbenen interdisziplinären Kompetenz, unsere zum Großteil neu erworbenen Programmierfähigkeiten auf die Probe zu stellen, indem wir den Robo per Java zum Fahren bringen. Nachdem wir nach ein paar Wochen der Recherche und des Haareraufens zwar Ultraschall in Töne umwandeln und Grafiken auf dem Display erscheinen lassen, aber keine 10 geraden Meter fahren konnten, sind wir letzten Endes doch zu Mindstorms zurückgekehrt. Fazit: Das hätten wir gleich tun sollen. Insgesamt war es einfach etwas schade, dass wir nicht beispielsweise Javakurs und den Legoroboter kombinieren konnten, denn unsere Java-Vorlesungen bestanden rein aus dem theoretischem Vorstellen der Inhalte, während die Anwendung viel zu kurz kam. Vielleicht ändert sich die Verteilung zwischen den Kursen in den zukünftigen Semestern – die Kritik wurde jedenfalls ausführlich erhoben.

Hier noch unser Robo in Aktion bei der Prüfungsleistung – dem Robo-Cup (die eher minimalistische Dekoration ist Resultat der „wir haben noch ein paar Tage Zeit, lasst uns uns doch in Mindstorms loslegen“-Entscheidung):

Robo in Aktion

Erwerb und Training komplexer Fertigkeiten. Nachdem ich im Bachelorstudium regelmässig die praktische Anwendung der grauen Theorie herbeigesehnt hatte, bot dieser Kurs die Möglichkeit, die Kenntnisse verschiedener Fächer zu verbinden und in ein umfangreich entwickeltes Trainingskonzept umzusetzen. Unsere Aufgabe war es, basierend auf verschiedenen theoretischen Grundlagen zum Fertigkeitserwerb ein maximal 4-Stündiges Training für das Literaturverwaltungsprogramm Citavi zu entwickeln, umzusetzen, anschliessend in einem Referat vorzustellen und zu guter Letzt als Bericht abschliessend zu bewerten. Nicht nur, dass ich nun endlich mal gezwungen war, mir Citavi näher anzuschauen, das Training und die Form des Seminars, bestehend aus 2h Vorlesunng, gefolgt von 2h Besprechung in der jeweiligen Gruppe hat auch einfach Spaß gemacht. Gerade nach den langen Jahren des Fernstudiums war es einfach toll, funktionierende Gruppenarbeit, die über die Zeiteinheit einer Woche hinaus geht zu erleben.

Seminar „Zukunft der Mensch Maschine Systeme“. Dieses Seminar ist Teil meines diessemestrigen Wochenplanes und ich bin wirklich begeistert. Eigentlich sollte jeder Human Factors-Student einmal das getan haben, was wir in dieser Veranstaltung diskutieren: die Zukunft von Human Factors und unsere Rolle als HF-„Experten“ darin überdenken. Es gibt sehr viele Bereiche, in denen Menschen und Maschinen oder technische Systeme aufeinandertreffen und zusätzlich zu den „traditionellen“ Feldern wie der Automationspsychologie, Luftfahrt und co. gibt es diverse Bereiche, für die man sich fragen kann, ob sie in den Aufgabenbereich HF fallen, ob wir dort nicht auch eine Verantwortlichkeit haben und wie es mit der ethischen Perspektive aussieht. Unsere Themen waren bisher Gamification, zunehmende Technisierung, Bodyhacking & Cyborgs, Robotik in der Pflege und E-Learning. Da wir auch eine wirklich kleine Gruppe sind, macht das Diskutieren umso mehr Spaß und gerade durch die Offenheit für die Randthemen ist ein toller Rahmen vorhanden, um sich der Grenzen und Herausforderungen unseres Faches bewußt zu werden.

Und sonst so? Nun, wir haben eine wirklich große Bandbreite von Fächern. Neben den traditionell psychologischen wie Statistik für komplexe Versuchspläne in all ihren Blüten, Kognitionspsychologie und Arbeits- und Organisationspsychologie auch eher auf Usability und Ergonomie ausgerichtete Veranstaltungen. Im Wahlbereich kann man sich zumindest theoretisch austoben. Praktisch sieht es durch Überschneidungen, Zugangsvoraussetzungen und den Umstand, dass vieles nur einmal pro Jahr angeboten wird, etwas magerer aus. Beispielsweise erhält man für das Raumfahrtmodul, bestehend aus Raumfahrtpsychologie und technischen Grundlagen, wenn man das Studium in Regelstudienzeit absolvieren möchte und keine Pflichtveranstaltungen verschieben will nur einen möglichen Belegungstermin im vierten Semester. Dies ist etwas schade und schränkt auch die Flexibilität zur wirklich freien Wahl etwas ein. Andererseits ist es bei einem so großen Wahlangebot klar, dass nicht immer alles reibungslos belegt werden kann. Wirklich umständlich ist jedoch die Aufteilung von manchen Modulen auf zwei Semester. Dadurch entsteht der Zwang, beide Prüfungsleistungen zeitnah zu absolvieren, da eine Unterbrechung nicht vorgesehen ist und sonst faktisch auch bedeutet, im ungünstigen Fall ein Jahr länger zu studieren. Das ist bisher der größte Nachteil, den ich am Studienplan hier sehe. Allerdings scheint die TU damit nach Erfahrungsberichten von Masterstudenten an anderen Unis nicht allein zu sein. Spezifisch für uns ist jedoch eher, dass wir schon sehr spezielle Fächer haben, die bei einem Uniwechsel oder Quereinstieg vermutlich wenig angerechnet werden können. Dadurch bedeuten auch Auslandsaufenthalte zwangsläufig eine Verlängerung der Studiendauer. Im Gegenzug haben wir wohl die Möglichkeit, einen (immer noch) relativ einmaligen Studiengang zu studieren, der zumindest nach meiner Erfahrung eine einmalige Kombination aus Psychologie, Ingenieurwissenschaften, Informatik, Design und Methodenlehre darstellt. Ich bin zufrieden. 🙂

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