Die Masterarbeit: das Formalitätenkompendium

Am Ende des Studiums möchte man natürlich nur noch eins: Abgeben! Damit das geschehen kann, müssen einige Details und Prozeduren beachtet werden. Allerdings sind diese nur jeden 13. Dienstag im Jahr beim Vollmond im Wassermann in einer unterirdischen Verwaltungsaußenstelle der TU, lokalisiert in der Arktis, einzusehen nicht auf einen Blick ersichtlich. Daher kommt hier eine Zusammenstellung aller Infos, die ich während meiner eigenen MA gesammelt habe, in der Hoffnung, dass ihr die sonst nötigen Arbeitsstunden zur Formalienrecherche ins Schreiben eurer Abschlussarbeiten versenken könnt und alle mit glänzenden Arbeiten belohnt werdet.

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Masterarbeit, Kurzübersicht nicht zentral gelisteter Formalitäten, Band 1-6. Interpretation der Autorin.

Schritt 0: Vor der Anmeldung

Wann ihr mit der Themensuche beginnt, bleibt im Grunde euch überlassen. Es lohnt sich, bereits früh im Hinterkopf zu haben, welche Themen einen interessieren und entsprechend auf ProfesorInnen oder Unternehmen zuzugehen und eigenständig eine Fragestellung auf interssierenden Gebieten zu recherchieren.

Ihr könnt euch aussuchen, ob ihr eine Einzel- oder eine Gruppenarbeit schreiben wollt. Die Option zur Gruppenarbeit ist weitgehend unbekannt, daher liste ich diese Möglichkeit extra auf. In diesem Fall muss die Arbeit klar aufgeteilt sein, so dass der Beitrag jeder einzelnen Person kenntlich ist.

Habt ihr eine grobe Idee und bereits eine/n potentielle/n BetreuerIn erspäht, kann es gut sein, bereits länger vor dem von euch angestrebten Zeitraum für die MA einen Termin auszumachen und eure Idee vorzustellen. Meist erfolgt ein Gespräch, nach dem ihr eure Idee nochmal überdenkt, oder konkretisiert. Gibt die Betreuerin ihre Zusage zur Betreuung (und dem generellen Themenfeld), heißt es a) Exposé schreiben und b) Zweitbetreuer suchen.

Dabei gelten folgende Regeln: Erstbetreuer ist in der Regel ein/e Professor/in, während die Zweitbetreuung Wissenschaftliche Mitarbeiter, Doktoranden, PostDocs, weitere Professorinnen oder externe Personen (zB in Unternehmen) mit fachverwandtem Grad, der mindestens einem Diplom oder Master entsprechen muss, sein können.

Bei mir war es so, dass meine Erstbetreuerin wissenschaftliche Mitarbeiterin mit Mastertitel (später dann mit Dr.) war, da der mich betreuende Professor an einer anderen Uni als der TU arbeitet. Das war mit einem kurzen Antrag auf Ausnahme beim Prüfungsausschuss möglich.

Habt ihr beides gesichert, geht es zu..

Schritt 1: Die Anmeldung

Wann: Wenn ihr mindestens 50 Leistungspunkte in der Tasche und die Projektarbeit (12 LP) abgeschlossen habt.

Sobald ihr euer Thema so konkretisiert habt, dass ihr mit der Arbeit an der Masterarbeit anfangen könnt, könnt ihr eure Masterarbeit anmelden. Laut Prüfungsordnung gelten dabei die oben genannten Voraussetzungen.

Weitere wichtige Fakten:

  • Ihr dürft den Titel der Masterarbeit nach Einreichung des Themas nicht mehr ändern. Das, was ihr auf den Antrag schreibt, muss später exakt wörtlich genau so Titel eurer Arbeit sein. Dies ist keine reine Formalität – weicht ihr davon ab, gibt es Probleme und im schlimmsten Fall (komplett anderer Titel) die Gefahr ein „nicht bestanden“ zu erhalten. Dies begründet sich darin, dass ihr nur für die vorliegende Aufgabenstellung ein „Go“ erhalten habt – bei Abweichungen habt ihr quasi ein anderes Thema bearbeitet.
  • Ebenso dürft ihr die Reihenfolge oder Besetzung von Erst- und Zweitbetreuung nicht eigenständig ändern. In Ausnahmefällen wie z.B. längerer Krankheit eines Betreuers kann ein Ersatz gesucht werden, dies ist aber mit dem Prüfungsamt abzusprechen.
  • Nach Anmeldung habt ihr 4 Monate Zeit für die Bearbeitung. Werdet ihr länger krank, treffen euch Schicksalsschläge oder andere einschneidende Ereignisse, könnt ihr problemlos verlängern. Dazu müsst ihr entweder die Krankmeldung beim Prüfungsamt einreichen oder einen Antrag auf Verlängerung mit Begründung stellen. Sollte euch so etwas ereilen, zögert nicht, die Verlängerung in Anspruch zu nehmen – selbst zwei Wochen Krankheit bei einer Grippe können euch sonst zum Ende hin fehlen. Insgesamt dürft ihr bis zu drei Monate verlängern.
  • Merkt ihr, dass ihr mit dem gewählten Thema doch nicht zu recht kommt, dürft ihr einmalig innerhalb der ersten zwei Monate nach Ausgabe des Themas das entsprechende Thema zurückgeben.
  • Schreibt ihr eine Gruppenarbeit, müsst ihr das Thema alle gemeinsam beantragen.

Schritt 2: Das Schreiben

Hierzu gibt es nur wenige Formalitäten (hinsichtlich der äußeren Vorgaben – Aufbau und Strukturierung, sowie Anforderungen guter wissenschaftlicher Praxis sind ein eigenes Thema wert und werden hier nicht extra gelistet). Diese sind:

  • Ihr seid verpflichtet, am Kolloquium des Fachgebiets teilzunehmen, an dem ihr schreibt und dort eure Arbeit zu besprechen. Je nach Fortschritt und Termin kann dies ganz am Anfang als „Konkretisierungsvortrag“, bei dem ihr mit anderen Teilnehmern Anregungen und Vorschläge in einem frühen Stadium diskutiert, geschehen, bis hin zur Präsentation der Ergebnisse und der abgeschlossenen Arbeit.
  • Zitationsstil, Seitenvorgaben, Layout und verwendete Unterlagen wie Fragebögen usw. sprecht ihr mit eurer Betreuung ab. Die Vorstellungen unterscheiden sich von Person zu Person – so lange ihr einheitlich arbeitet (zB DPG, APA), seid ihr da auf der sicheren Seite.
  • Alle Quellen angeben! Versteht sich von selbst, aber: nicht abschreiben, nicht plagiieren und wo möglich keine Sekundärzitate nutzen.

Ingesamt solltet ihr die Literaturrecherche nicht unterschätzen. 20% der Zeit können dafür locker drauf gehen – dafür habt ihr es beim Schreiben dann umso einfacher. Habt ihr ein Exposé geschrieben, könnt ihr euch an dessen Struktur orientieren. Und wichtig: Schreibt alles auf, was ihr macht. Selbst, wenn etwas nicht klappt, notiert es – und bringt es ggf. in die Diskussion mit ein!

Schritt 3: Die Abgabe!

Seid ihr endlich an dem Punkt angelangt, an dem sowohl ihr als auch andere eure Arbeit Korrektur gelesen habt, sollte es langsam in den Druck gehen. Dazu gibt es folgende Vorgaben:

  • Ihr gebt drei Exemplare der Arbeit ab.
  • Diese Exemplare können gebunden oder geleimt sein, dürfen jedoch keine Ringbindung aufweisen.
  • Ihr müsst bis zur Abgabe unbedingt eure 10 Versuchspersonenstunden abgeleistet haben, denn der Nachweis darüber muss mit in die MA! Hierzu kopiert ihr den Zettel mehrfach, bindet das Original in ein Exemplar mit ein (die Kopien in die beiden anderen) und hebt euch idealerweise eine Kopie für eure Unterlagen auf.
  • Auf der ersten Seite müsst ihr die Erklärung über die eigenständige Anfertigung einfügen. Diese muss im Wortlaut der vorgegebenen Erklärung entsprechen und unterschrieben sein (in allen MAs!).
  • Der Masterarbeit ist ein Datenträger beizulegen, auf dem sich die digitale Version der Masterarbeit sowie ALLE genutzten Unterlagen, Dateien, Paradigmen…befinden. Dieser Datenträger kann eine CD/DVD sein, es geht aber auch ein USB-Stick (habe ich so gemacht, weil mein Unity-Projekt zu groß für eine CD war). Alles ist zulässig, aber eventuell hat eure Betreuung eine Vorliebe. Fragt also am besten nach.
  • Der Anhang muss ebenfalls digital beiliegen. Ihr müsst nicht alles in den gedruckten Anhang packen – habt ihr 500 Zeilen Code geschrieben oder 40 Versuchspersonen erhoben, lohnt es sich, auf die Dateien zu verweisen und sie dem digitalen Anhang beizufügen.
  • Benennt euren USB-Stick entsprechend und strukturiert auch die Ordner sinnvoll. Bei mir sah das so aus:
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Mögliche Strukturierung der Anhänge auf dem der MA beigefügten Datenträger

Was vielleicht auch noch hilfreich zu wissen ist, ist, dass das Abgabedatum, das euch nach der Anmeldung zugesandt wird, bei nicht geöffnetem Prüfungsamt an diesem Tag auf den nächsten Öffnungstag des Prüfungsamtes fällt. Ist das Abgabedatum z.B. ein Samstag, müsst ihr die Arbeit erst am folgenden Montag abgeben. Hat das Prüfungsamt außer der Reihe geschlossen, müsst ihr ebenfalls erst am nächsten Öffnungstag abgeben.

Keine Formalität, aber ein Tip: Hebt euch den Kassenzettel vom Drucken auf. Ihr könnt die Druckkosten, die je nach Ausführung und Anzahl der Exemplare für Familie und co schonmal in den dreistelligen Bereich rutschen können, von der Steuer absetzen.

Zu guter Letzt noch ein besonderes Feature für alle Master- (und auch Bachelor-)Abgabewilligen: wollt ihr eure Abschlussarbeit abgeben, müsst ihr beim Prüfungsamt nicht warten. Ihr müsst keine Nummer ziehen, sondern euch lediglich mit euren drei Exemplaren unter dem Arm strahlend ins Prüfungsamt stellen und kommt dann sofort dran. 🙂

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Pro-tip: Gebt möglichst abends ab, damit ihr anschließend in den Sonnenuntergang Flic-Flacen könnt; ein internes Erkennungszeichen frisch gebackener Masteranden. [Quelle: Sander van der Wel, Wikimedia Commons]

Damit wünsche ich euch allen ein gutes Gelingen der Masterarbeit und viel Spaß beim Bearbeiten eures Forschungsprojektes!

 

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